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Ragtime ist eine Musikrichtung, die um 1890 in den Saloons der USA entstand und im wesentlichen ein Klavierstil war, aber auch von Bands und Orchestern sowie für Gitarre übernommen wurde.

Musikalische Charakteristik

Spielweise

Der Name Ragtime leitet sich aus "ragged time", also "zerrissener Zeit" ab, was sich auf die markanten Rhythmen bezieht: Charakteristisch ist die "stride-Technik" der linken Hand, bei der auf die Achtelschläge 1 und 3 des ragtimetypischen 2/4 Taktes der Bass (meist in Oktavschlägen), und auf 2 und 4 die Akkorde gespielt werden. Alternativ dazu ist der "walking bass" der linken Hand, eine Begleitung als vorwärtstreibende Basslinie. Die "Zerrissenheit" ergibt sich aus der Tatsache, dass die von der rechten Hand dazu vor allem in Sechzehntel- und Achtelnoten notierte Melodie zeitliche Verschiebungen zum von der linken Hand stetig gespielten Takt aufweist, oft Sechzehntel-Notenüberbindungen über die Taktmitte oder den Taktwechsel hinweg, d.h. die Melodie ist synkopisch. Anders formuliert: ragtimetypisch ist eine durchweg synkopierte Melodie zu einem durchgängigen Duolen-Rhythmus. Einigen Ragtime-Komponisten ist es bei einzelnen ihrer Werke gelungen, die afroamerikanischen Ursprünge der Ragtime-Synkopierung heraushörbar zu machen.

Ragtime ist eine komponierte Musik und daher kein Jazz, da das Element der Improvisation keine notwendige Zutat des Ragtimespiels ist, bei vielen Interpreten sogar tabu war. Die Interpretation eines Ragtime ist jedoch durchaus individuell, man nehme nur die Joplin-Interpretationen von Marcus Roberts im Stile des Chicago Jazz. Viele der ersten Jazz-Pianisten kamen allerdings vom Ragtime her und einige der ersten Jazz-Standards waren Rag-Kompositionen.

Gliederung eines Ragtimes

Die Gliederung eines Ragtimes ähnelt einem Kettenrondo, das bedeutet, sie entspricht in etwa der Form AA – BB – AA – CC – AA – DD in vielen Varianten:

  • Maple Leaf Rag (Scott Joplin): AA BB A CC DD
  • Black And White Rag (George Botsford): AA BB A CC B
  • Pork And Beans (Luckey Roberts): AA B A C D C

Der Hauptteil (A) kehrt nach jedem Zwischenteil (B, C, D,...) wieder. Meist wird jeder einzelne Teil wiederholt, also direkt zweimal nacheinander gespielt (daher AA). Am Ende des Stückes fällt der A-Teil im Gegensatz zum Rondo jedoch häufig weg, zuweilen endet ein Ragtime auch in einer anderen Tonart als er begonnen hat (z. B. eine Quarte höher). Vor einem Teil (aber nicht vor dessen Wiederholung) kann ein 2 oder 4 taktiges Vorspiel ("Intro") stehen, welches zur Tonart des Teiles hinleitet, seltener sind am Ende des Ganzen noch Abschlußtakte, d.h eine Coda zu finden.

Geschichte

Mit dem Cakewalk kam in den 1890ern eine Tanzmode auf, zu der synkopierte Musik gespielt wurde. Die Synkopierung der Melodien leitete sich aus der afroamerikanischen Rhythmik derjenigen Volksmusik ab, von der letztlich diese neue Tanzmusik herkam.

1897 erschienen die ersten Ragtime-Kompositionen, zuerst der Louisiana Rag von Theodore Northrup. Der erste bedeutende Ragtime-Musiker und -Pianist war Tom Turpin, dessen Harlem Rag ebenfalls 1897 erschien. Eubie Blake überlieferte später einen Rag des reisenden Pianisten Jesse Pickett von 1897, ein Stück, das noch etwas essayistisch wirkte. Ebenso erschien im selben Jahr 1897 Ben Harney's Ragtime Instructor, mit von Theodore Northrup geschriebenen Ragtime-Arrangements populärer Melodien.

Der Weltausstellung in St. Louis im Jahre 1904, zu der Tom Turpin einen großen Ragtime-Wettbewerb veranstaltet hatte, wurden etliche Ragtimes gewidmet, unter anderem der St. Louis Rag von Tom Turpin, der St. Louis Tickle von Theron Catlen Bennet, und The Cascades in Erinnerung an die Weltausstellungswasserspiele von Scott Joplin. Der Ragtime hatte damit, d. h. fünf Jahre nach Erscheinen von Joplin's Maple Leaf Rag (Auflage 1/2 Mio.), den ersten emotionalen Höhepunkt für seine Musiker. Ein Hauptort des Ragtime wurde auch Joplin's Wohnort Sedalia, Missouri, wo auch sein Verleger John Stark schon seit 1885 ansässig war. Ein weiteres Zentrum des Ragtime wurde Atlantic City.

Von 1906 bis zum 1. Weltkrieg war Ragtime die populäre Musik in den USA. Nicht mehr streng der Form der Ragtimekomposition entsprechend, sondern nur noch Stilelemente des Rag benutzend, waren zu dieser Zeit die sogenannten Ragtime-Songs, d.h. Schlager im Stil der Zeit. Von den größeren Ragtime-Bands wurde die von James Reese Europe in New York besonders populär. Reine Saxophon-Ensembles präsentierten Ragtime auf neuartige Weise.

Mit dem Tode Scott Joplin's im Jahre 1917 endete die Ragtime-Ära und wurde abgelöst durch die Jazz-Ära, die Zeit bis zur Wirtschaftskrise 1929. Aber auch in dieser Zeit entstanden noch neue Ragtimes, vorwiegend pianistisch verwegene Kompositionen, die man auch Novelty oder Novelty Ragtime nannte. Eubie Blake hatte zusammen mit Andy Razaf 1921 großen Erfolg mit der Broadway-Show "Shuffle Along", die Musik, die sein Shuffle Along Orchestra dazu spielte, war geprägt vom Ragtime, aber auch schon vom Jazz.

Bedeutende Komponisten und Interpreten

Die bekanntesten Ragtimes sind Scott Joplins The Entertainer von 1902, der durch seine Verwendung im Film Der Clou 1973 großen Erfolg hatte, und das als Noten ebenso wie als Schallplattenaufnahme meistverkaufte Ragtime-Stück Twelfth Street Rag von Euday Bowman aus dem Jahr 1914, als das Ende der Ragtime-Ära begann. Bereits weniger kompositorisch und damit jazzmäßiger spielte Jelly Roll Morton in New Orleans, der von sich selbst behauptete, im Jahre 1902 den Jazz erfunden zu haben. Seine Jazzkompositionen sind stehen dem Ragtime entweder sehr nah oder sind ausgewiesene Ragtimes wie sein Perfect Rag.

Bedeutend als Vorbild für einige der ersten Jazz-Pianisten war Eubie Blake, der in Baltimore, Atlantic City und New York aktiv war, und ab 1899 Ragtimes komponierte. Blakes Ragtimes sind ein Beispiel dafür, daß es sich bei diesen Werken sowohl schwarzer als auch weißer Komponisten durchaus um anspruchsvolle Klavierliteratur handelt. Einer der schönsten Ragtimes ist der von Louis Chauvin, dem Gewinner des Wettbewerbs von St. Louis, und Scott Joplin gemeinsam komponierte Heliotrope Bouquet.

Bekannte moderne Interpreten von Ragtimes sind der klassische Pianist William Bolcom, der Jazzpianist Marcus Roberts und der Ragtimepianist Morten Gunnar Larsen.

Hörbeispiele

  • Liste von Ragtime-Stücken
  • Liste von Ragtimes und Ragtimern (Darunter auch Ragtime Songs wie Eubie Blake's "Goodnight Angeline" und Ragtime Blues sowie ein paar doch eher schon dem Jazz zuzuordnende Titel)

Literatur

  • David Jansen/Trebor Tichenor: Rags and Ragtime, a musical history (New York 1978)


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ragtime aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


 
 

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